Keramikerin Regula Kaeser-Bonanomi

Spreu vom Weizen trennen - überfliessen - anerkennen - (Mond)Sichel - Tränen - ein Kränzchen winden - die Bestimmung leben - reif - spruchreif - die Haare schneiden - nach dem Heuen in den kühlen Bach - nach dem Heulen in den kühlen Bach - Gewitterwolken - Blitz und Donner - Firabe - verwandeln - verzaubern - verschenken - Gold - eine silberne Haarsträhne

Lughnasadh - Lammas - Schnitterin - Kräuterweih

Lughnasadh
Dem keltischen Sonnengott Lug werden die Haare - die Sonnenstrahlen - geschnitten. Mit einer Sichel - der Mondsichel...
Lug war in der keltischen Spätzeit ein grosser Gott. Sein Name bedeutet: Licht, der Scheinende, der Helle. Auf lateinisch bedeutet Lux Licht. Lug hatte einen Beinamen: "Der-mit-dem-langen-Arm". Dieser lange Arm des Lichts war ein langer, sichtbarer Strahl - ein Blitz - ein Lichtstrahl!
Wenn Lug die Haare geschnitten werden, muss er als Sonne, als Licht die Kraft am Himmel dem Mond, der Mondsichel, der Dunkelheit überlassen.
Grad noch freuen wir uns über das reich tragende Getreidefeld, am nächsten Tag schauen wir auf die Stoppeln des abgemähten Feldes…Grad noch schwitzen wir in der drückenden Hitze, im nächsten Moment zucken die Blitze, rollt Donnergrollen heran und wir suchen Schutz vor dem prasselnden Regen... Das Gewitter, das Abkühlung und Entspannung in der Atmosphäre bringt ist Lughnasadh.

Aehre

Kornkreis

Lammas
Alle Arbeitsschritte - das Schneiden des Korns, das Dreschen der Ähren, das Mahlen der Körner, das Kneten des Teiges mit dem Aufgehen lassen, das Formen des Brotes in symbolische Zeichen und das Backen - alles sind magische, heilige Handlungen, die gefeiert werden an Lammas, der Messe des ersten Brotlaibes, loaf-mess.

Kräuterweih

Die Legende erzählt, dass im Augenblick der Himmelfahrt Mariens ein wunderbarer Duft dem Grab entstiegen sei. Als die Apostel das Grab öffne-ten, fanden sie viele Kräuter und Blumen. Dieser Legende folgend wird vor allem in katholischen Gebieten am Sonntag vor oder nach dem 15. August die Kräuterweihe oder der Büschelfrauentag gefeiert: ein Kräuter-buschen wird gebunden, geweiht und im Hausgiebel oder dem Herrgotts-winkel aufgehängt. Der Kräuterbusch hat allerdings schon eine Tradition aus vorchristlicher Zeit. Oft werden 7 oder 9 oder 77 oder gar 99 Kräuter gesam-melt. Dabei werden die Kräuter als Persönlichkeit angesprochen und um ihre Kraft gebeten. Der Busch wird mit dem roten Band der Göttin der Fülle zusam-mengebunden. Traditionellerweise thront im Zentrum die Königskerze. Andere häufig verwendete Kräuter sind Johanniskraut, Rose, Holunder, Schafgarbe, Ringelblume, Minze, Vogelbeere, Brennnessel, Frauenmantel, Salbei und manchmal auch Zwiebeln und Rüben. Die Wirkung des Augustvollmondes verstärkt vielleicht nicht die Heil-, sicher aber die Zauberkraft dieser Kräuter... Wenn nötig wird während dem dunklen halben Jahr aus dem Kräuterbusch ein Kraut herausgezupft und zum Räuchern oder als Heilmittel verwendet, unters Kopfkissen gelegt oder kranken Tieren verfuttert. Im nächsten Jahr wird der alte Buschen verbrannt und ein Neuer gebunden.


Schnitterin
Die Schnitterin schneidet. Sie schneidet weg und weg und weg und weg,
bis das Wesentliche sichtbar wird: Mit Lughnasadh beginnt die Schnitterinnenzeit. Die Schnitterin trägt einen Strohhut und ihr traditionelles Werkzeug ist die Sichel.
Obwohl es uns immer wieder zu früh erscheint, sind wir aufgefordert uns zu entscheiden, in die Fülle hinein den ersten Schnitt zu tun. Es gibt keine halben Ernteschnitte, es gibt nur die Entscheidung für den Schnitt im richtigen Moment. An Lughnasadh werden wir mit dem schwer zu akzeptierenden Mysterium konfrontiert, dass wir Lebendes töten müssen, um Nahrung zu haben und selbst überleben zu können (Ziriah Voigt).
Der Schnitt der Schnitterin ist klar und achtsam. Niemals schneidet die Schnitterin einfach drauflos, wild oder gar verwüstend. Sie weiss um die Verbindung mit dem Wesen, das sie schneidet!
Das Schneiden mit der Sichel – die traditionelle, magische Lughnasadh-Handlung ist die Mahnung zur Vorsorge: Nahrung sammeln, um sich auf den Winter vorzubereiten, aber auch Lieder, Gebete, Freundinnen sammeln...(Susann Belz).
Kali schneidet die Illusion.

 


Scherenschnitt

Historischer Scherenschnitt: «Herde unter Bäumen», 1801, von Antoinette Lisette Fäsi.

Kamajokkdelta

Vom Feuer ins Wasser

Lug, der keltische Sonnenkönig, ist das Feuer, die Hitze, die Sonne. Mit seiner unbändigen, übermütigen Kraft droht er die Erde zu verbrennen, das Leben verdorren zu lassen. Feuer ist in der Kraft nach Aussen, im Trommeln, in fröhlichen Liedern, im wilden Tanz. Feuer ist aber auch eine transformierende Kraft: Was nicht mehr gilt, wird verbrannt, der Rauch steigt in den Himmel, die Asche sinkt in die Erde und Neues kann entstehen. Lughnasadh ist das Fest, das den Übergang vom Feuer ins Wasser feiert. Wasser, das die Kraft des Feuers der vorherigen Zeit dämpft, die Hitze kühlt und die Energien nach unten fliessen lässt. Das Wasser bringt Klarheit, Kühle und Abstand nach der grossen Liebesnähe der roten, feurigen Zeit. Das Weitergehen im Zyklus kann schmerzen und die Augen überfliessen lassen.


Lebensalter
Auch im Aspekt des Lebensalters hat sich das Rad weitergedreht und an Lughnasadh findet wieder ein Übergang statt, bahnt sich wieder eine Zeit der Neuorientierung an:
Viele Männer erleben diese als Midlife-Krise und es kann sein, dass sie sich sehnen nach einer neuen beruflichen Herausforderung, nach Bestätigung im Sport oder einem zweiten Frühling. Für Frauen beginnen die Wechseljahre. Der Körper verändert sich wieder, und die Stimmungs-Schwankungen brauchen viel Geduld.
Für viele Männer und Frauen ist es nicht einfach zu akzeptieren, dass die Mitte des Lebens überschritten ist. Die Sehnsucht nach tiefgründigen Auseinander-setzungen mit den Lebensthemen wächst und damit auch die Zuversicht in diesen neuen Lebensabschnitt.

Fliegenpilz
 

 





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